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Torische IOL bei Grauem Star: Wenn Katarakt und Hornhautverkrümmung zusammen auftreten

Viele Menschen, die wegen des Grauen Stars zur Voruntersuchung kommen, erfahren dort zum ersten Mal etwas, das sie überrascht: Sie haben zusätzlich eine Hornhautverkrümmung – und haben sie möglicherweise jahrelang unbewusst getragen.

In solchen Fällen korrigiert die Standard-Kataraktoperation zwar die getrübte Linse, lässt den Astigmatismus aber unberührt. Das Ergebnis: klares Sehen, aber weiterhin verschwommen – nur durch eine andere Ursache. Torische Intraokularlinsen (IOLs) lösen beide Probleme in einem einzigen Eingriff.[1]

Was ist eine Hornhautverkrümmung – und was hat sie mit Grauem Star zu tun?

Astigmatismus bedeutet: Die Hornhaut ist nicht perfekt kugelförmig, sondern in einer Richtung stärker gewölbt als in der anderen – ähnlich wie ein Rugby-Ball im Gegensatz zu einem Tennisball. Das Ergebnis ist verschwommenes, manchmal doppeltes Sehen in allen Entfernungen.

Astigmatismus und Grauer Star (Katarakt) sind unabhängige Erkrankungen. Sie können gemeinsam auftreten – und tun es häufiger als viele denken: Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent aller Katarakt-Patienten haben gleichzeitig einen klinisch relevanten Astigmatismus von mehr als 1,0 Dioptrien.

Bei einer Standard-Kataraktoperation mit Monofokallinse wird nur die Trübung korrigiert. Der Astigmatismus bleibt bestehen. Patienten sehen nach der OP zwar klarer – aber oft nicht so klar wie erhofft, weil die Hornhautverkrümmung nach wie vor für Unschärfe sorgt.

Frau sieht verschwommen auf ihrem Laptop aufgrund einer Hornhautverkrümmung.

Was ist eine torische IOL – und wie funktioniert sie?

Eine torische Intraokularlinse hat eine asphärische, astigmatisch geformte Optik. Wie eine torische Kontaktlinse korrigiert sie die Brechkraftunterschiede der Hornhaut in verschiedenen Achsen – auf den Grad genau und dauerhaft.

Die Achsausrichtung wird präoperativ durch biometrische Messungen bestimmt. Während der Operation wird die Linse präzise in dieser Achse platziert. Im Idealfall sitzt die torische IOL anschließend stabil in ihrer Position und korrigiert den Astigmatismus dauerhaft – ohne Brille, ohne Kontaktlinse.

Eine torische IOL braucht Stabilität. Dreht sie sich im Auge um mehr als 10 Grad aus ihrer Sollachse, verliert die Astigmatismuskorrektur klinisch relevant an Wirksamkeit. Die Qualität der Linse und die Operationstechnik sind entscheidend.

JCRS-Studie 2024: Rotationsstabilität im Langzeitverlauf

Die Studie untersuchte über einen Zeitraum von bis zu 6 Monaten die Rotationsstabilität einer aberrationsfreien hydrophoben torischen Monofokallinse.

Das Ergebnis: Die mittlere Rotation lag unter 2 Grad – weit unter der klinisch kritischen Grenze von 10 Grad. 97,4 % der Augen zeigten eine Rotation von weniger als 5 Grad und kein einziger Patient benötigte eine Nachpositionierung der Linse.[1]

Für wen ist eine torische IOL bei Grauem Star geeignet?

Torische, Monofokal-Plus- und Asphärische Monofokallinsen, Arzt der eine Linse mit einer Pinzette in ein Glas gibt

Eine torische IOL ist die richtige Wahl für Patienten, die gleichzeitig einen Grauen Star und einen Hornhautastigmatismus von mehr als 0,75 bis 1,0 Dioptrien haben. Das betrifft etwa jeden dritten Katarakt-Patienten.

Voraussetzungen sind eine gesunde Hornhaut ohne degenerative Veränderungen wie Keratokonus und eine ausreichende Stabilität des Kapselsacks. Patienten mit unregelmäßigem Astigmatismus (z.B. nach früheren Hornhautoperationen) müssen individuell beurteilt werden.

LinsentypAstigmatismus­korrekturBrillenfreiheit (Ferne)NahsichtGKV
Standard-MonofokallinseNeinHäufig möglichBrille nötigVollständig
Torische MonofokallinseJaHäufig möglichBrille nötigAufpreis
Trifokale Premium-IOLJe nach Modell≥85 %≥85 % brillenfreiAufpreis

Welche Linse bei Grauem Star insgesamt am besten geeignet ist, hängt von mehr Faktoren ab als nur vom Astigmatismus – einen ausführlichen Vergleich aller Optionen finden Sie im Artikel zur besten Linse bei Grauem Star.

Kosten der torischen IOL: Was übernimmt die Krankenkasse?

Die Kataraktoperation mit Standard-Monofokallinse ist eine gesetzliche Kassenleistung – die GKV übernimmt die Kosten für diese Grauer Star OP vollständig. Die torische IOL gilt als Mehrleistung über den medizinisch notwendigen Standard hinaus. Den Aufpreis zahlen GKV-Patienten selbst.

Der Eigenanteil liegt je nach Linsenmodell und individuellem Befund bei 300 bis 600 Euro pro Auge (600 bis 1.200 Euro für beide Augen). Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für zusätzliche präoperative Messungen.

Privat krankenversicherte Patienten haben deutlich bessere Erstattungschancen. Viele PKV-Tarife erstatten Premium-IOLs bei entsprechender medizinischer Indikation ganz oder teilweise. Wir stellen auf Wunsch einen Kostenvoranschlag nach GOÄ aus.

Die Voruntersuchung: Wie wird der Astigmatismus gemessen?

In der Voruntersuchung messen wir routinemäßig nicht nur die Augenlänge und Hornhautkrümmung für die IOL-Berechnung, sondern auch den Astigmatismus in Stärke und Achslage. Dafür nutzen wir die Scheimpflug-Tomographie und die optische Biometrie (z.B. IOLMaster 700).

Liegt ein Astigmatismus über 0,75 Dioptrien vor, empfehlen wir im Gespräch eine torische IOL – erklären die Vorteile, die Kosten und klären über die Besonderheiten der Implantation auf. Die Entscheidung liegt selbstverständlich beim Patienten.

„Wer einen Astigmatismus über 1,0 Dioptrien hat und eine Katarakt-OP plant, sollte unbedingt nach einer torischen Linse fragen. Die GKV übernimmt das nicht – aber der Mehrwert für die Sehqualität ist in vielen Fällen erheblich. Besonders frustrierend: Viele Patienten wissen gar nicht, dass es diese Option gibt.”

Torische IOL und Grauer Star OP – im AugenCentrum am Rothenbaum

PD Dr. med. Johannes Gonnermann und PD Dr. med. Tim Schultz – AugenCentrum am Rothenbaum Hamburg

Im AugenCentrum am Rothenbaum führen PD Dr. med. Johannes Gonnermann und PD Dr. med. Tim Schultz, FEBO, jährlich mehr als 1.000 Kataraktoperationen durch.

Wir nutzen modernste Biometrie-Systeme und arbeiten mit einer sorgfältig ausgewählten Auswahl torischer Premium-IOLs, um Achsausrichtung und Rotationsstabilität bestmöglich zu gewährleisten.

Haben Sie einen Grauen Star und möchten wissen, ob Ihre Hornhautverkrümmung mit einer torischen IOL korrigiert werden kann? In der Voruntersuchung messen wir alle relevanten Parameter und beraten Sie transparent über Optionen, Kosten und zu erwartende Ergebnisse.

Häufige Fragen zur torischen IOL bei Grauem Star

Eine Standard-Monofokallinse korrigiert die Trübung durch den Grauen Star und stellt scharfes Sehen auf eine Entfernung her. Eine vorhandene Hornhautverkrümmung bleibt unverändert. Eine torische IOL macht beides in einem Eingriff: Sie entfernt die Katarakt und gleicht gleichzeitig den Astigmatismus aus.

Patienten mit Grauem Star und einem Hornhautastigmatismus von mehr als 0,75 bis 1,0 Dioptrien – das betrifft rund jeden dritten Katarakt-Patienten. Voraussetzung ist eine gesunde Hornhaut und eine aussagekräftige Voruntersuchung.

Die GKV übernimmt die Standard-Katarakt-OP vollständig. Für eine torische IOL fällt ein Eigenanteil von ca. 300–600 Euro pro Auge an. PKV-Patienten erhalten oft eine teilweise oder vollständige Erstattung. Wir stellen auf Wunsch einen GOÄ-Kostenvoranschlag aus.

Ja, das ist theoretisch möglich – und war früher ein relevantes Problem. Aktuelle Studien zeigen, dass moderne torische IOLs extrem stabil sind: Die mittlere Rotation nach 12 Monaten liegt unter 3 Grad, weit unter der klinisch kritischen Grenze von 10 Grad.

Die Heilungsphase ist identisch mit der nach einer Standard-Katarakt-OP. Die meisten Patienten berichten bereits am Tag nach der Operation von deutlich besserem Sehen. Die volle Sehschärfe stabilisiert sich innerhalb von vier bis acht Wochen.

Ja. Falls nach der OP noch eine Restfehlsichtigkeit vorhanden ist, kann diese mit einer Brille ausgeglichen werden. Die torische IOL minimiert die Brillenabhängigkeit – vollständige Brillenfreiheit in allen Distanzen kann eine trifokale Premiumlinse bieten.

Quellen

  1. Wiley WF, Epitropoulos AT, Whitman J, Liang E, Sadri E, Lau G. (2024). Rotational stability and visual performance of aberration-free, hydrophobic acrylic monofocal toric intraocular lens with enhanced material. Journal of Cataract & Refractive Surgery 50 (12). DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001540

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