Warum wird mein Kind kurzsichtig, obwohl in der Familie eigentlich niemand eine Brille trägt? Reichen häufigere Bildschirmpausen aus? Und ab wann sollte man wirklich zum Augenarzt? Fragen wie diese begegnen uns in der Kinderaugenheilkunde und Sehschule des AugenCentrums am Rothenbaum inzwischen fast täglich – und genau aus diesen Praxisgesprächen ist unser neues Buch entstanden.
Gemeinsam mit Dr. med. Merita Schojai-Schultz habe ich, Priv.-Doz. Dr. med. Tim Schultz, „Kinderaugen stark machen – Augengesundheit für Kinder: Übungen & Tipps gegen Kurzsichtigkeit” geschrieben: ein Ratgeber, der Eltern das nötige medizinische Hintergrundwissen zur kindlichen Sehentwicklung vermittelt und gleichzeitig sehr konkret wird, was sich im Alltag verändern lässt.
Das Buch erscheint am 18. September 2026 im Gräfe und Unzer Verlag und enthält zusätzlich ein herausnehmbares Kinderbuch, „Mission Superblick”, das die Themen kindgerecht aufbereitet.
In diesem Beitrag erhalten Sie einen Einblick, welche Fragen das Buch beantwortet und warum uns gerade das Thema Kurzsichtigkeit bei Kindern so wichtig ist.
Wie das Buch entstanden ist
Lange galt Kurzsichtigkeit als Familienthema: Entweder man ist kurzsichtig oder eben nicht – und irgendwann bekommt das Kind eine Brille. Diese Sichtweise ist aus augenärztlicher Sicht heute jedoch überholt.
Laut einer vielzitierten Prognose des Fachjournals Ophthalmology wird bis 2050 rund die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein, knapp eine Milliarde Menschen davon hochgradig1 – mit spürbar erhöhtem Risiko für ernste Augenerkrankungen und auch in unserer eigenen Sprechstunde sehen wir Myopie zunehmend schon bei Grundschulkindern.
Gleichzeitig erleben wir in Gesprächen mit Eltern immer wieder dieselbe Lücke. Es fehlt nicht an gutem Willen, sondern an verständlich aufbereitetem Wissen darüber, was im Auge eines Kindes eigentlich passiert und was Familien konkret tun können.
Genau diese Lücke wollten wir mit „Kinderaugen stark machen” schließen: wissenschaftlich fundiert, aber ohne Fachjargon und mit einem eigenen Kinderbuch, das die Kinder mit auf eine Reise nimmt, statt nur über sie zu sprechen.

Was im Buch steckt: Von der Wissenschaft zur Achsenlänge
Ein zentrales Kapitel des Buches erklärt, was Kurzsichtigkeit medizinisch bedeutet. Myopie entsteht, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft von Hornhaut und Linse zu lang ist – einfallendes Licht wird dann vor statt auf der Netzhaut gebündelt. Eine Brille korrigiert diese Unschärfe, verändert aber nichts am zugrunde liegenden Achsenlängenwachstum.
Genau diesen Unterschied macht das Buch Eltern bewusst, denn er ist der Grund, warum wir Kurzsichtigkeit heute nicht mehr nur als kosmetisches, sondern als medizinisches Thema behandeln. Je stärker sich das Auge im Kindesalter verlängert, desto höher ist später statistisch das Risiko für Netzhautablösungen, Makulaveränderungen oder einen Grünen Star.
Die sensible Phase: Warum frühes Handeln zählt
Ein weiteres Kapitel widmet sich der frühkindlichen Sehentwicklung. Sehschärfe, räumliches Sehen und das Zusammenspiel beider Augen reifen in den ersten Lebensjahren, der sogenannten sensiblen Phase, die sich grob bis zum sechsten oder achten Lebensjahr erstreckt, heran.
Anhand der grundlegenden Arbeiten von Hubel und Wiesel2 erklärt das Buch, weshalb beide Augen von Anfang an gleich gute Bilder liefern müssen und wie Störungen, wie Schielen oder eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit), diese Entwicklung beeinträchtigen können. Für Eltern macht dieses Kapitel vor allem eines klar: Warum augenärztliche Vorsorge in diesem Alter keine Kür, sondern ein wichtiger Baustein ist.
Sehprobleme bei Kindern rechtzeitig erkennen
Weil Kinder selbst häufig nicht bemerken, dass sie schlecht sehen, widmet sich ein eigener Buchabschnitt ausführlich der Früherkennung. Beschrieben werden typische Warnzeichen wie häufiges Zusammenkneifen der Augen, ein auffällig naher Leseabstand, wiederkehrende Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine ungewöhnliche Kopfhaltung.
Ergänzend stellt das Buch einfache Tests für zu Hause vor – mit dem klaren Hinweis, dass diese eine augenärztliche Untersuchung in der Kinderaugenheilkunde nicht ersetzen können, sondern nur ein erster Anhaltspunkt sind.
„Viele Familien kommen erst zu uns, wenn die Sehschwäche bereits deutlich fortgeschritten ist. Genau deshalb wollten wir mit dem Buch ein Werkzeug schaffen, mit dem Eltern die Warnzeichen selbst früh erkennen können.“
Priv.-Doz. Dr. med. Tim Schultz, FEBO · AugenCentrum am Rothenbaum, Hamburg

Der wirksamste Hebel laut Buch: Zeit im Freien
Ein Schwerpunktkapitel widmet sich dem am besten belegten Schutzfaktor gegen Kurzsichtigkeit: dem Aufenthalt im Freien. Das Buch fasst die internationale Studienlage zusammen. Demnach kann das Myopie-Risiko bereits durch 30 bis 60 zusätzliche Minuten am Tag im Freien messbar gesenkt werden, wobei zwei Stunden als besonders günstiges Ziel gelten.
Entscheidend ist dabei laut dem Buch weniger die Bewegung selbst als die Lichtintensität: Tageslicht ist um ein Vielfaches heller als das Licht in Innenräumen und beeinflusst über die Ausschüttung von Dopamin in der Netzhaut das Augenwachstum positiv.
Die Autoren positionieren sich bewusst gegen ein pauschales Bildschirmverbot, da dieses weder realistisch noch notwendig sei. Stattdessen zeigt das Buch, wie ein ausgewogener Umgang gelingt: mit regelmäßigen Pausen, bewussten Blickwechseln zwischen Nähe und Ferne sowie ausreichend Ausgleich durch Zeit im Freien.
Der Ratgeber enthält unter anderem eine „Digital-Balance-Challenge” als spielerisches Alltagswerkzeug für die ganze Familie.
Moderne Myopiekontrolle – ein Kapitel für fortgeschrittene Fälle
Das Buch geht auch auf medizinische Optionen zur Myopiekontrolle ein, die für Familien mit bereits diagnostizierter Kurzsichtigkeit von Interesse sind: niedrig dosiertes Atropin in Tropfenform, speziell berechnete Myopie-Brillengläser sowie orthokeratologische Kontaktlinsen (Ortho-K) und spezielle Myopiekontroll-Kontaktlinsen.
Das Buch ordnet diese Möglichkeiten verständlich ein, macht aber deutlich, dass die Wahl der richtigen Methode immer eine individuelle Entscheidung des Augenarztes ist.
Sehschärfe in jedem Lebensalter: Behandlungsmöglichkeiten für Brillenfreiheit
Kurzsichtigkeit bei Kindern ist der eine Teil der Geschichte – doch Sehschwächen begleiten viele Menschen ihr Leben lang, in ganz unterschiedlichen Formen. Im AugenCentrum am Rothenbaum beraten und behandeln wir Patienten deshalb in jeder Lebensphase, von der ersten Fehlsichtigkeit im Jugendalter bis zum Grauen Star im höheren Alter.
Ein Überblick über die wichtigsten Möglichkeiten zur Brillenfreiheit:
Junge Erwachsene: Brillenfreiheit durch Augenlasern (LASIK, SMILE)
Wer als Jugendlicher oder junger Erwachsener kurzsichtig ist und dauerhaft auf Brille oder Kontaktlinsen verzichten möchte, kommt für eine Augenlaserbehandlung infrage. Moderne Verfahren wie die Femto-LASIK oder die SMILE® pro Methode können Kurzsichtigkeit bis zu -10 Dioptrien korrigieren.
Bei der Femto-LASIK wird die Hornhaut präzise mit dem Laser bearbeitet, bei SMILE® erfolgt die Korrektur besonders schonend über einen minimal-invasiven Zugang. Auch eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) lässt sich in der Regel gleichzeitig mitbehandeln.
Voraussetzung für jedes Verfahren ist eine ausführliche augenärztliche Voruntersuchung, die klärt, welche Methode zur individuellen Dioptrienzahl und Hornhautdicke passt.

Starke Fehlsichtigkeit oder dünne Hornhaut: die ICL als Alternative
Nicht jedes Auge eignet sich für eine Laserbehandlung – etwa bei sehr hoher Fehlsichtigkeit oder einer zu dünnen Hornhaut. In diesen Fällen bietet die implantierbare Kontaktlinse (ICL) eine Alternative: Eine spezielle Linse wird dauerhaft und für das Auge unsichtbar im Auge platziert, ohne dass Hornhautgewebe abgetragen werden muss.
Die ICL kommt insbesondere bei stark ausgeprägten Sehschwächen zum Einsatz, bei denen klassische Laserverfahren an ihre Grenzen stoßen.
Ab 40: die Lesebrille loswerden – refraktiver Linsentausch
Etwa ab dem 40. Lebensjahr macht sich bei vielen Menschen eine Alterssichtigkeit (Presbyopie) bemerkbar – der Moment, in dem die Lesebrille zum ständigen Begleiter wird.
Hier setzen wir häufig auf einen refraktiven Linsentausch (RLE): Die körpereigene Linse wird durch eine moderne Kunstlinse ersetzt, etwa eine multifokale oder EDOF-Linse (Extended Depth of Focus), die scharfes Sehen in mehreren Entfernungen gleichzeitig ermöglicht.
Anders als das klassische Augenlasern korrigiert diese Methode nicht nur die Fehlsichtigkeit, sondern beugt gleichzeitig einem späteren Grauen Star vor, da die natürliche Linse bereits ersetzt ist.
Im Alter: Brillenfreiheit trotz Grauem Star
Der Graue Star (Katarakt) führt im höheren Alter zu einer schleichenden Trübung der Augenlinse und betrifft praktisch jeden Menschen, der alt genug wird. Die Grauer-Star-Operation ist das einzige wirksame Verfahren dagegen: Die getrübte Linse wird durch eine künstliche Linse ersetzt, der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung, ist schmerzarm und dauert nur wenige Minuten.
Wer möchte, kann dabei direkt eine Premiumlinse wählen – etwa eine torische Linse bei gleichzeitiger Hornhautverkrümmung oder eine Multifokallinse, die neben der Behandlung des Grauen Stars auch für ein hohes Maß an Brillenunabhängigkeit im Alltag sorgen kann.
„Mission Superblick”: das Buch im Buch für Kinder
Eine Besonderheit von „Kinderaugen stark machen” ist das direkt beiliegende, herausnehmbare Kinderbuch „Mission Superblick”. Während sich der Hauptteil an Eltern richtet, holt „Mission Superblick” die Kinder selbst ins Boot: Es ist im Mission-Stil aufgebaut, enthält spielerische Aufgaben und Übungen zur Blickmotorik sowie kleine Challenges. All das soll Kinder dazu motivieren, selbst aktiv an ihrer Augengesundheit mitzuwirken – von Spielen ohne Bildschirm bis hin zu Vorschlägen für augengesunde Pausen.
Kinderaugen stark machen – wo Sie das Buch und weiterführende Beratung finden
„Kinderaugen stark machen” erscheint am 18. September 2026 im Gräfe und Unzer Verlag und ist ab sofort vorbestellbar. Für eine persönliche Einschätzung zur Augengesundheit Ihres Kindes steht Ihnen das Team der Kinderaugenheilkunde und Sehschule des AugenCentrums am Rothenbaum gerne zur Verfügung.

Häufige Fragen (FAQ) zum Buch und zur Kurzsichtigkeit bei Kindern
Nein. Das Buch vermittelt Wissen und Alltagswerkzeuge, ersetzt aber ausdrücklich keine augenärztliche Diagnostik oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Sehschwäche empfehlen die Autoren immer eine Untersuchung in der Kinderaugenheilkunde.
Der Ratgeber verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Myopieentwicklung mit der langjährigen Praxiserfahrung der Autoren aus der eigenen Kindersprechstunde – und bindet mit „Mission Superblick” erstmals auch die Kinder selbst aktiv mit ein, statt sich ausschließlich an Eltern zu richten.
Das Buch erscheint am 18. September 2026 im Gräfe und Unzer Verlag und ist im Buchhandel sowie online erhältlich.
- Holden, B. A., Fricke, T. R., Wilson, D. A., et al. (2016). Global Prevalence of Myopia and High Myopia and Temporal Trends from 2000 through 2050. Ophthalmology, 123(5), 1036–1042. DOI: 10.1016/j.ophtha.2016.01.006 ↩︎
- Creutzfeldt, O. (1982): Nobelpreis für Physiologie und Medizin 1981. Neue Einsichten in die funktionelle Organisation der Hirnrinde. Naturwissenschaften, 69, S. 101–106. https://doi.org/10.1007/BF00376713 ↩︎



