Grauer-Star-Op

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Was eine gute Katarakt-OP von einer schlechten unterscheidet: Hornhautschutz, Druckkontrolle und Operationstechnik

Wenn Patienten über die Kataraktoperation nachdenken, denken sie an die Linse, die entfernt wird, und die neue, die implantiert wird.

Was sie dabei kaum im Blick haben: Die Hornhaut – die transparente Schicht vorne am Auge – ist bei jedem dieser Eingriffe einem realen Stress ausgesetzt. Und dieser Stress kann, wenn er nicht minimiert wird, die langfristige Sehqualität beeinträchtigen.

Zwei Faktoren sind dabei entscheidend: der Hornhautendothelzellverlust durch den Eingriff selbst und die Druckverhältnisse im Auge während der Operation. Beide werden in der Patientenaufklärung selten erklärt. Dieser Artikel macht sie sichtbar.

Die Hornhaut: Eine Zellschicht, die sich nicht regeneriert

Hornhaut eines Auges

Die Hornhaut ist für scharfes Sehen unverzichtbar. Sie muss vollständig transparent sein, um Licht ungehindert zur Netzhaut zu lassen. Diese Transparenz hängt von einer einzigen Zellschicht ab: dem Hornhautendothel.

Diese Zellen auf der Rückseite der Hornhaut pumpen kontinuierlich überschüssige Flüssigkeit heraus und halten die Hornhaut damit klar.

Das Entscheidende: Hornhautendothelzellen können sich beim Menschen nicht regenerieren. Jeder Verlust ist dauerhaft. Neugeborene haben etwa 3.000 bis 4.000 Zellen pro Quadratmillimeter. Diese Zahl nimmt im Laufe des Lebens natürlich ab.

Unter ca. 500 Zellen je Quadratmillimeter kann die Hornhaut ihre Pumpfunktion nicht mehr aufrechterhalten und trübt sich ein – ein Zustand, der eine Hornhauttransplantation (DMEK) erfordert.

Jede Kataraktoperation verursacht einen gewissen Endothelzellverlust – durch die mechanische Beanspruchung, die Ultraschallenergie und die Flüssigkeitsströmungen im Auge. Wie viel verloren geht, hängt erheblich von der Operationstechnik ab.

JCRS-Studie 2024: Welche Katarakt-Operationstechnik schont die Hornhaut am meisten?

Die randomisierte Studie von Mol et al. verglich verschiedene Techniken der Kernentfernung bei der manuellen Kleinschnitt-Kataraktchirurgie hinsichtlich des Endothelzellverlustes. Das Ergebnis bestätigt, was erfahrene Chirurgen empirisch wissen: Schonendere Techniken mit weniger Ultraschallenergie und präzisem Instrumenteneinsatz reduzieren den Zellverlust signifikant1.

Konkret sind folgende Faktoren entscheidend. Erstens: viskoelastische Schutzsubstanzen als Barriere zwischen Instrument und Hornhaut. Zweitens: minimale Ultraschallenergie durch effiziente Technik. Drittens: ein schonendes Schnittdesign. Und viertens: die Erfahrung des Chirurgen.

Patienten-Tipp: Fragen Sie vor der Katarakt-OP nach Ihrer aktuellen Hornhautendothelzellzahl. Dieser Wert wird bei der Voruntersuchung gemessen und ist besonders wichtig wenn Sie eine Fuchs-Dystrophie haben oder frühere Augenoperationen hatten.

Besondere Risikogruppe: Patienten mit Fuchs-Dystrophie

Patienten mit Fuchs’scher Hornhautdystrophie haben bereits präoperativ reduzierte Endothelzellzahlen. Der zusätzliche Verlust durch die Kataraktoperation kann ihre Hornhaut an die Grenze der Transparenzfähigkeit bringen.

Für diese Patientengruppe ist die Wahl der Operationstechnik besonders kritisch – und die Möglichkeit einer kombinierten Katarakt-DMEK-Operation sollte im Vorgespräch besprochen werden.

Phakoemulsifikation und Augeninnendruck: Der unterschätzte Qualitätsfaktor

Die Phakoemulsifikation – kurz „Phako“ – ist die Standardtechnik der modernen Kataraktchirurgie. Über einen wenige Millimeter kleinen Schnitt wird ein Ultraschall-Handstück ins Auge eingeführt. Es zerkleinert den getrübten Linsenkern per Ultraschall und saugt ihn gleichzeitig ab. Parallel läuft eine kontinuierliche Infusion, die den Augeninnendruck stabil hält.

Dieser intraokulare Druck ist ein oft unterschätzter Qualitätsfaktor. Zu hoher Druck während der OP beansprucht die Hornhautendothelzellen und kann zu Hornhautödem führen.

Zu niedriger Druck destabilisiert die Vorderkammer und erhöht das Risiko für Komplikationen. Der optimale Druckkorridor liegt in einem engen Fenster – und erfordert vom Chirurgen kontinuierliche Aufmerksamkeit und situative Anpassung.

Die Studie von Spaulding und Hall untersuchte die Effizienz verschiedener Phako-Handstücke bei unterschiedlichen Druckeinstellungen. Das Ergebnis: Moderne Handstücke ermöglichen effizientere Kernentfernung bei niedrigeren Druckeinstellungen – ein direkter Vorteil für den Hornhauterhalt2.

Katarakt-OP-Qualität – unsere Erfahrung im AugenCentrum am Rothenbaum

Gonnermann und Schultz vom Augencentrum Rothenbaum

Chirurgische Erfahrung lässt sich in der Kataraktchirurgie quantifizieren. Studien zeigen konsistent, dass Chirurgen, die jährlich mehrere hundert bis tausend Eingriffe durchführen, niedrigere Komplikationsraten und geringeren Endothelzellverlust erzielen als Chirurgen mit geringerer Fallzahl.

Der Grund: Erfahrene Chirurgen passen Ultraschallenergie, Saugkraft und Druckeinstellung während der OP kontinuierlich an – je nach Kernhärte, Stabilität der Vorderkammer und individueller Anatomie des Auges.

Eine harte Linse beim 80-jährigen Diabetiker erfordert andere Parameter als eine weiche Linse beim 60-jährigen Patienten. Diese situative Anpassungsfähigkeit entsteht durch tausende von Operationen – sie lässt sich nicht aus Lehrbüchern lernen.

„Katarakt-OP ist kein Einheitsverfahren. Erfahrung bedeutet genau dieses situative Anpassen – an den Patienten, an seine Anatomie, an die Härte der Linse, an die Reaktion des Auges. Das macht den Unterschied zwischen guten und sehr guten Ergebnissen.“

Häufige Fragen: Hornhautgesundheit nach der Katarakt-OP

Der typische Verlust liegt bei 5 bis 15 Prozent der Ausgangszellzahl. Bei erfahrenen Chirurgen, schonender Technik und optimaler Druckkontrolle kann er auf unter 5 Prozent reduziert werden. Bei Risikopatienten (Fuchs-Dystrophie, dichte Kernkataraktform) kann er höher liegen.

Der klassische Starschnitt erforderte einen großen Hornhautschnitt und manuelle Linsenentfernung. Die Phakoemulsifikation zerkleinert die Linse mit Ultraschall und entfernt sie über einen winzigen Schnitt (2–2,5 mm). Das bedeutet weniger Trauma, schnellere Heilung und geringeres Infektionsrisiko – bei ähnlich guten Langzeitergebnissen.

Ja, unbedingt – besonders wenn Sie eine Fuchs-Dystrophie haben, frühere Augenoperationen hatten oder über 70 Jahre alt sind. Der Normalwert liegt bei 2.000 bis 3.000 Zellen pro Quadratmillimeter für diese Altersgruppe. Unter 1.000 Zellen sollte die OP-Technik besonders sorgfältig geplant werden.

Die Heilungsphase der Hornhaut dauert in der Regel 4 bis 8 Wochen. In dieser Zeit sollten Sie Augenreiben vermeiden, keine Kontaktlinsen tragen, Augentropfen wie verordnet verwenden und zu Nachsorgeterminen erscheinen. Bei Veränderungen des Sehens – Unschärfe, Schleierbildung, Lichthöfe – sofort Kontakt mit uns aufnehmen.

Eine DMEK (Hornhauttransplantation) ist nötig wenn die Endothelzellzahl unter einen kritischen Wert sinkt und die Hornhaut trübt. Das ist eine seltene Komplikation, tritt aber bei Patienten mit vorbestehender Fuchs-Dystrophie oder sehr dichter Katarakt gelegentlich auf. Bei rechtzeitig erkanntem PXS und gut geplanter OP lässt sich das Risiko erheblich reduzieren.

  1. Mol, F., Nagarajan, S., Ar, R., & Govindasamy, E. (2024). Corneal endothelial cell loss with different techniques of nucleus delivery in Manual Small Incision Cataract Surgery- Randomized Controlled Trial. Journal of cataract and refractive surgery51(4), 282–286. Advance online publication. DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001605 ↩︎
  2. Spaulding, J., & Hall, B. (2025). Efficiency of phacoemulsification handpieces with high and low intraocular pressure settings. Journal of cataract and refractive surgery51(3), 218–221. DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001581 ↩︎

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