Halos und Blendung bei Nacht – das sind die Begriffe, die Patienten am häufigsten fragen wenn sie über eine trifokale Premiumlinse nachdenken. Die Frage ist berechtigt: Trifokale IOLs verteilen Licht auf mehrere Brennpunkte und können dabei Lichthöfe um Lichtquellen erzeugen, besonders in der Dunkelheit.
Wie stark dieser Effekt ist, wie er sich im Alltag anfühlt – und wie man ihn vor der Entscheidung einschätzen kann, das erklärt dieser Artikel.
Wir beleuchten zwei entscheidende Aspekte: erstens, was aktuelle Studien aus dem Journal of Cataract & Refractive Surgery über den Nachtvisus bei verschiedenen trifokalen Linsenmodellen wirklich zeigen.
Und zweitens, wie eine noch junge Technologie – die virtuelle IOL-Simulation – Patienten helfen kann, ihre Entscheidung für oder gegen eine Premiumlinse besser zu treffen.
Trifokale Linsen beim Grauen Star – was sie von Standard-IOLs unterscheidet
Trifokale Intraokularlinsen sind Premium-Kunstlinsen, die nach der Kataraktoperation drei Brennpunkte abdecken: Ferne (Straße, TV), mittlere Distanz (Bildschirm, Preisschilder, Instrumententafel) und Nähe (Lesen, Handy). Damit ermöglichen sie in den meisten Fällen ein Leben ohne Brille in allen Alltagssituationen.
Entscheidend für die optische Qualität ist das Linsenmaterial. Hersteller bieten ihre trifokalen Modelle sowohl als hydrophile (wasserhaltige, weichere) als auch als hydrophobe (wasserabweisende, härtere) Variante an – oft mit identischem optischem Design, aber unterschiedlichen Materialeigenschaften. Diese Unterschiede beeinflussen nicht nur die Langzeitstabilität, sondern auch die optische Leistung.
Trifokale Premium-IOLs haben einen Aufpreis von typischerweise 1.000 bis 2.000 Euro pro Auge gegenüber der GKV-kassenfinanzierten Standard-Monofokallinse. Die OP selbst ist weiterhin Kassenleistung.
JCRS-Studie 2025: Hydrophob vs. hydrophil – welche trifokale Linse sieht besser?
Forscher des David J. Apple Centers in Heidelberg untersuchten zwei trifokale Zeiss-Linsen: die AT ELANA (hydrophob) und die AT LISA tri (hydrophil)1. Als Qualitätskriterium diente die Modulations-Transferfunktion (MTFa) – ein Standardmaß für die Schärfeleistung unter verschiedenen Lichtverhältnissen, inklusive mesopischem (dämmerungsähnlichem) Licht, das Nachtfahrsituationen simuliert.
Das Ergebnis ist differenzierter als die oft simplifizierte Werbebotschaft vieler Hersteller:
| Sehbereich | AT ELANA (hydrophob) | AT LISA tri (hydrophil) |
|---|---|---|
| Ferne | ~ Sehr gut | ✓ +4 % besser |
| Mitte (Computer, 60 cm) | ≈ Kein relevanter Unterschied (1 %) | ≈ Gleich |
| Nähe (Lesen, 40 cm) | ✓ +5 % besser | ~ Sehr gut |
| Langzeit-Trübung (Glistening) | ✓ Geringeres Risiko | ~ Höheres Risiko |
Der Unterschied in der optischen Qualität ist überraschend klein – maximal 5 Prozent in einzelnen Bereichen. Was die Studie aber auch zeigt: Hydrophobe Linsen haben ein deutlich geringeres Risiko für Glistening – optische Eintrübungen durch Wassereinlagerungen im Linsenmaterial, die über Jahre entstehen können und die Sehqualität langfristig beeinträchtigen.
Halos und Blendung: Was Patienten wirklich erwartet

Halos – leuchtende Ringe um Lichtquellen bei Dunkelheit – sind die am häufigsten genannten Nebenwirkungen trifokaler Linsen. Sie entstehen, weil das eintreffende Licht auf mehrere Brennpunkte aufgeteilt wird und dabei Beugungsartefakte erzeugt.
Das ist physikalisch unausweichlich: Wer drei Brennpunkte will, muss diese Art von optischem Kompromiss akzeptieren.
Was Patienten wissen sollten: Die große Mehrheit gewöhnt sich innerhalb von Wochen bis Monaten an die Halos. Das Gehirn lernt, die Artefakte aus dem Bewusstsein auszublenden – ähnlich wie man lernt, ein leises Hintergrundgeräusch zu ignorieren.
Studien zeigen, dass nach 3 bis 6 Monaten die überwiegende Mehrheit der Patienten die Lichthöfe nicht mehr als störend empfindet.
Es gibt jedoch Ausnahmen: Wer beruflich oder leidenschaftlich nachts Auto fährt, als Pilot arbeitet oder extrem lichtempfindlich ist, sollte die Entscheidung für eine trifokale Linse sehr sorgfältig abwägen.
Für diese Gruppen können EDOF-Linsen oder monofokale Premiumlinsen die bessere Wahl sein.
IOL-Simulation: Die neue Lösung für eine alte Frage
Patienten die eine trifokale Premiumlinse erwägen, stehen vor einem klassischen Problem: Sie müssen eine kostspielige, irreversible Entscheidung treffen ohne zu wissen, wie sie die Linse subjektiv erleben werden. Halos sind individuell sehr unterschiedlich – was einer Person kaum auffällt, stört eine andere erheblich.
Die virtuelle IOL-Simulation versucht, dieses Problem zu lösen. Die Technologie nutzt präoperative Messdaten des Auges – Biometrie, Wellenfrontaberration, Pupillengröße – um das postoperative Seherlebnis in einer Simulation darzustellen. Patienten können buchstäblich durch ihre zukünftige Linse schauen, bevor operiert wird.
Die Studie von Schallhorn et al. zeigte2: Die Simulation ist in einem Großteil der Fälle präzise – besonders bei der Vorhersage von Halos und Blendempfindlichkeit.
Patienten mit unrealistischen Erwartungen, die in der Simulation erleben was eine trifokale Linse im Dunkeln bedeutet, treffen anschließend informiertere Entscheidungen. Das reduziert Enttäuschungen nach der OP erheblich.
Die Technologie ist noch nicht flächendeckend verfügbar. Einige Hochvolumen-Zentren setzen sie bereits ein. In den nächsten Jahren ist mit breiterer Verbreitung zu rechnen.
Bis dahin ersetzen wir die Simulation durch ausführliche Gespräche, visuelle Hilfsmittel und ehrliche Beschreibungen des zu erwartenden Seherlebnisses.
„Virtuelle IOL-Simulation weist in die richtige Richtung: weg von der rein technischen Linsenauswahl, hin zu informierten Patientenentscheidungen. Schon heute versuchen wir durch ausführliche Gespräche und Bilder zu leisten was diese Technologie bald automatisieren könnte.“
Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Gonnermann · AugenCentrum am Rothenbaum, Hamburg
Trifokale Linsen beim Grauen Star – Beratung im AugenCentrum am Rothenbaum

Trifokale Linsen sind für die meisten Katarakt-Patienten mit dem Wunsch nach Brillenfreiheit eine sehr gute Wahl.
Sie sind besonders geeignet für Menschen, die ihren Alltag hauptsächlich bei Tageslicht oder in gut beleuchteten Innenräumen verbringen, die Lesen, Bildschirmarbeit und Fernsehen ohne Brille schätzen, und die bereit sind eine kurze Adaptationsphase von einigen Wochen zu durchlaufen.
Weniger geeignet sind trifokale Linsen für Patienten mit einer vorbestehenden Makulaerkrankung oder Netzhautproblemen, da die zusätzliche Lichtverteilung den Kontrast reduzieren kann.
Auch bei ausgeprägtem irregulärem Astigmatismus, höher myopen Augen mit stark veränderter Hornhautgeometrie und bei Piloten oder anderen Berufsgruppen mit höchsten Anforderungen an den Nachtvisus sollte die Wahl sorgfältig geprüft werden.
Häufige Fragen zu trifokalen Linsen bei Grauem Star
Nicht für die überwiegende Mehrheit. Das Gehirn passt sich an und blendet die Lichthöfe innerhalb von Wochen bis Monaten zunehmend aus. Studien zeigen, dass nach 3 bis 6 Monaten die meisten Patienten Halos nicht mehr als störend empfinden. Wer jedoch beruflich häufig nachts fährt oder besonders lichtempfindlich ist, sollte das im Vorabgespräch thematisieren.
Die OP selbst ist GKV-Kassenleistung. Der Aufpreis für die trifokale Premium-IOL liegt bei 1.000 bis 2.000 Euro pro Auge und wird privat getragen. PKV-Patienten erhalten häufig eine teilweise Erstattung. Wir erklären alle Kosten transparent vor dem Eingriff.
In der Sehschärfe sind die Unterschiede klein (maximal 5 Prozent in einzelnen Bereichen). Der wichtigere Langzeitfaktor ist Glistening: Hydrophobe Linsen zeigen deutlich weniger optische Eintrübungen durch Wassereinlagerungen über die Jahre. Wir bevorzugen daher hydrophobe Modelle, besprechen die Wahl aber individuell mit jedem Patienten.
IOL-Simulation nutzt präoperative Messdaten um das postoperative Seherlebnis – inklusive Halos und Blendung – virtuell darzustellen. Studien zeigen, dass die Simulation präzise ist und Patienten hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln. Die Technologie ist noch nicht überall verfügbar, gewinnt aber an Verbreitung.
Theoretisch ja – ein IOL-Austausch ist möglich, aber kein Routineeingriff und mit eigenen Risiken verbunden. Deshalb ist die sorgfältige Patientenauswahl vor der OP entscheidend: Wer realistische Erwartungen hat und geeignete anatomische Voraussetzungen, ist nach der trifokalen IOL in über 90 Prozent der Fälle hoch zufrieden.
Über 90 Prozent der Patienten sind nach der trifokalen IOL vollständig brillenfrei – zum Lesen, am Bildschirm und in der Ferne. Eine leichte Restfehlsichtigkeit kann eine dünne Lesebrille erforderlich machen, ist aber die Ausnahme.
- Łabuz, G., Yan, W., Khoramnia, R., & Auffarth, G. U. (2025). Comparing optical quality and simulated defocus curves: head-to-head analysis of hydrophilic and hydrophobic trifocal intraocular lenses. Journal of cataract and refractive surgery, 51(2), 161–166. DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001577 ↩︎
- Schallhorn, S. C., Fernández, J., Kaymak, H., Gerlach, M., & Kirchner, F. O. (2025). Prediction of visual outcomes using virtual implantation of a trifocal intraocular lens in presbyopic lens exchange patients. Journal of cataract and refractive surgery, 51(2), 133–140. DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001576 ↩︎



