Junge Frau mit Nachstar nach Katarakt-OP

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Nachstar nach der Grauer-Star-OP: Ursachen, YAG-Laser und was Sie jetzt tun sollten

Die Grauer-Star-OP ist gelungen. Wochen oder Monate später trübt sich die Sicht wieder ein. Viele Patienten erschrecken: Kommt der Graue Star zurück? Die Antwort ist nein.

In fast allen Fällen ist die Ursache der Nachstar. Er entsteht, wenn sich die hintere Linsenkapsel nach der Katarakt-Operation eintrübt. Er ist harmlos. Und er lässt sich mit dem YAG-Laser in wenigen Minuten beseitigen.

Dieser Artikel erklärt, was der Nachstar ist, wie er entsteht und wie die Behandlung des Nachstars abläuft. Außerdem: Was kostet die Behandlung – und zahlt die Krankenkasse?

Patienten, die Kontaktlinsen tragen oder eine Nachstar-Behandlung in einer Augenklinik oder augenheilkundlichen Praxis suchen, finden hier alle wichtigen Informationen.

Was ist der Nachstar – und wie entsteht er nach der Grauer-Star-OP?

Bei der Operation des Grauen Stars – der Katarakt-Operation – wird die getrübte natürliche Augenlinse entfernt. Die dünne Hülle um die Linse bleibt erhalten: der Kapselsack. Er dient als Träger für die neue Kunstlinse.

Genau in diesem Kapselsack liegt die Ursache des Nachstars. Bei der Linsenoperation lassen sich nicht alle Linsenepithelzellen vollständig entfernen. Sie verbleiben auf der Innenfläche des Kapselsacks. Mit der Zeit wandern sie auf die hintere Linsenkapsel – die sogenannte Hinterkapsel. Dort bilden sie einen trüben Film.

Dieser Film beeinträchtigt das Licht auf seinem Weg zur Netzhaut. Die Sehschärfe nimmt ab. Die Sehqualität leidet – ähnlich wie beim ursprünglichen Grauen Star. Patientinnen und Patienten erleben eine Eintrübung des Sehens, die sich schleichend entwickelt.

Wichtig: Der Nachstar betrifft nicht die implantierte künstliche Linse selbst. Diese kann nicht eintrüben. Es trübt sich ausschließlich die hintere Linsenkapsel dahinter ein. Das optische Zentrum der Kunstlinse bleibt unberührt.

Nachstar an einem Augenmodell erklärt

Nachstar beim Grauen Star erkennen: Symptome und Diagnose

Die Symptome des Nachstars ähneln denen des Grauen Stars. Sie entwickeln sich schleichend. Typische Zeichen sind:

  • Sehverschlechterung, die sich über Wochen langsam verschlechtert
  • Verschwommenes, kontrastreduziertes Sehen
  • Blendempfindlichkeit, besonders bei Nacht oder hellem Sonnenlicht
  • Das Gefühl, als läge ein Schleier vor dem Auge
  • Eingeschränkte klare Sicht in allen Entfernungen

Der Augenarzt stellt die Diagnose mit der Spaltlampe. Diese Untersuchung dauert wenige Minuten. Die Eintrübung der hinteren Kapsel ist dabei gut sichtbar.

Eine aufwändige Diagnostik ist nicht notwendig. Wer nach einer Grauer-Star-OP schleichend schlechter sieht, sollte zeitnah einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. Nicht warten.

Das Augenlasern der natürlichen Linse ist nach der Grauer-Star-OP nicht mehr möglich – sie wurde ja bereits entfernt. Die einzige wirksame Behandlung des Nachstars ist die YAG-Kapsulotomie: ein präziser Lasereingriff an der hinteren Linsenkapsel.

Wie häufig tritt Nachstar nach der Katarakt-Operation auf?

Die Häufigkeit hängt von mehreren Faktoren ab. Wichtig sind das Alter des Patienten, das Linsenmaterial und das Linsendesign.

Jüngere Patienten haben ein höheres Risiko. Ihre Linsenepithelzellen sind aktiver. Ältere Patienten entwickeln seltener einen behandlungsbedürftigen Nachstar.

Linse wird vor Auge gehalten

Auch das Linsenmaterial spielt eine Rolle. Hydrophobe Linsen mit scharfer Hinterkante – dem sogenannten square edge design – zeigen deutlich niedrigere Nachstarraten als hydrophile Linsen.

Die scharfe Kante wirkt als mechanische Barriere. Sie verhindert die Migration der Linsenepithelzellen zur hinteren Kapsel. Multifokallinsen, torische Linsen und Standard-Monofokallinsen sind gleichermaßen betroffen.

Mit modernen Linsen liegt die Behandlungsrate nach 5 Jahren bei rund 10 bis 20 Prozent. Ältere Linsenmodelle lagen deutlich höher1.

Hinweis: Manche Chirurgen entnehmen bei der Grauer-Star-OP sichtbare Linsenreste direkt – eine Technik, die als Nachstarabsaugung bezeichnet wird. Sie kann das spätere Risiko etwas senken. Einen Nachstar schließt sie nicht vollständig aus.

YAG-Kapsulotomie: Die Behandlung des Nachstars nach der Grauer-Star-OP

Die YAG-Kapsulotomie ist der Goldstandard in der Augenheilkunde für die Behandlung des Nachstars. Der Name leitet sich vom verwendeten Lasertyp ab: dem Neodym-YAG-Laser, einem gepulsten Festkörperlaser.

Wie läuft die YAG-Kapsulotomie ab?

Der Lasereingriff findet ambulant statt. Kein Krankenhaus, kein Operationssaal, keine Vollnarkose.

Schritt 1: Augentropfen erweitern die Pupille und betäuben die Augenoberfläche. Das dauert etwa 20 Minuten.

Schritt 2: Ein spezielles Kontaktglas wird sanft auf das Auge aufgesetzt. Es stabilisiert den Blick und fokussiert den Laserstrahl präzise auf die hintere Linsenkapsel.

Schritt 3: Der YAG-Laser erzeugt gezielte Mikropulse. Diese schneiden ein kleines Loch in die getrübte Kapsel. Das Licht findet wieder freien Weg zur Netzhaut. Klare Sicht stellt sich meist noch am gleichen Tag ein.

Schritt 4: Kurze Nachbeobachtung. Dann können Sie gehen. Autofahren sollten Sie am selben Tag noch nicht. Die Pupille ist noch erweitert.

Die gesamte Laserbehandlung dauert fünf bis zehn Minuten. Sie ist vollständig schmerzfrei. Die meisten Patienten spüren nur ein leichtes Druck- oder Blitzgefühl.

Der Lasereingriff erfolgt ohne Augenlasern der Hornhaut – er zielt ausschließlich auf die hintere Linsenkapsel. Die künstliche Linse selbst wird dabei nicht berührt.

„Der Nachstar wird vor der Operation oft zu wenig kommuniziert. Das führt dazu, dass Patienten erschrecken – und manchmal wochenlang warten, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Wir klären jeden Patienten explizit auf: Der Nachstar ist kein Rückfall. Er ist eine bekannte, gut behandelbare Augenerkrankung. Schnell und kostenlos.“

Kann der Nachstar nach der YAG-Laserbehandlung zurückkommen?

Nein. Sobald die hintere Linsenkapsel geöffnet wurde, trübt sie sich nicht mehr ein. Die Laserbehandlung ist dauerhaft wirksam. Eine Wiederholung ist in der Regel nicht notwendig. Eine einzige YAG-Sitzung reicht in nahezu allen Fällen aus.

Was kostet die Behandlung des Nachstars – zahlt die Krankenkasse?

Die YAG-Kapsulotomie ist in Deutschland eine gesetzliche Kassenleistung. Für GKV-Versicherte entstehen keine Kosten. Weder Zuzahlung noch Eigenanteil. Das gilt unabhängig davon, ob die ursprüngliche Grauer-Star-OP mit einer Standardlinse oder einer Premiumlinse durchgeführt wurde.

Privat versicherte Patienten erhalten die Erstattung nach GOÄ. Auch hier sind die Kosten in der Regel vollständig abgedeckt. Im Zweifelsfall vorab bei der PKV anfragen.

Risiken und Komplikationen der YAG-Kapsulotomie

YAG-Kapsulotomie Ablauf bei Nachstar

Die YAG-Kapsulotomie ist sehr sicher. Schwere Komplikationen sind selten. Folgende Risiken können in seltenen Fällen auftreten:

Augendruckanstieg: Der Augeninnendruck kann nach der Laserbehandlung kurzfristig ansteigen. Bei Patienten mit Grünem Star ist das besonders relevant. Deshalb wird der Druck nach dem Eingriff kontrolliert. Drucksenkende Augentropfen stehen bei Bedarf bereit.

Netzhautablösung: In seltenen Fällen – besonders bei stark kurzsichtigen Augen – kann eine Netzhautablösung auftreten. Das Risiko liegt unter einem Prozent. Wer nach der Behandlung Lichtblitze oder einen dunklen Vorhang wahrnimmt, sollte sofort zum Augenarzt.

Makulaödem: Ein Makulaödem – eine Flüssigkeitsansammlung in der Netzhautmitte – ist eine sehr seltene Komplikation. Es äußert sich in verzerrtem oder verschwommenem Sehen im Zentrum.

Trockene Augen: Manche Patienten berichten nach dem Eingriff von vorübergehend verstärkten trockenen Augen. Das normalisiert sich in der Regel innerhalb weniger Wochen.

Verschiebung der Kunstlinse: In Ausnahmefällen kann der Laserimpuls die Kunstlinse geringfügig verlagern. Das ist bei korrekt sitzenden Linsen sehr selten.

Patienten mit bestimmten Hornhauterkrankungen wie Keratokonus oder frischen Befunden nach der Katarakt-Operation besprechen wir individuell. Nicht jede Situation erlaubt eine sofortige YAG-Kapsulotomie.

Verändertes Farbsehen nach der Grauer-Star-OP: Was Sie wissen sollten

Manche Patienten bemerken nach der Katarakt-Operation, dass Farben intensiver oder kühler wirken als zuvor. Das ist normal und kein Zeichen für einen Nachstar. Die natürliche Augenlinse verfärbt sich mit dem Alter gelblich. Sie wirkt wie ein Gelbfilter und hält Blaulicht zurück.

Nach dem Einsetzen einer klaren künstlichen Linse fällt dieses Licht wieder ungefiltert auf die Netzhaut. Das Gehirn gewöhnt sich innerhalb von zwei bis vier Wochen daran.

Nachstar behandeln – im AugenCentrum am Rothenbaum

Augenärzte Dr. Schulz und Dr. Gonnermann vom AugenCentrum am Rothenbaum in Hamburg

Wir führen die YAG-Kapsulotomie bei Nachstar nach Linsenoperation regelmäßig durch. Ambulant, schmerzfrei, in wenigen Minuten.

Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Gonnermann und Priv.-Doz. Dr. med. Tim Schultz, FEBO behandeln sowohl eigene Patienten als auch Patienten, die ihre ursprüngliche Grauer-Star-OP andernorts hatten.

Wir klären vor jedem Eingriff individuell ab, ob die YAG-Kapsulotomie für Ihre Augen die richtige Wahl ist. Besonders bei Risikofaktoren wie erhöhtem Augeninnendruck oder starker Kurzsichtigkeit nehmen wir uns die nötige Zeit.

Häufige Fragen zum Nachstar nach der Grauer-Star-OP

Nein. Der Graue Star ist eine Trübung der natürlichen Augenlinse. Der Nachstar ist eine Eintrübung der hinteren Linsenkapsel. Das ist die dünne Hülle, die nach der Katarakt-Operation im Auge verbleibt und die neue künstliche Linse trägt. Die Kunstlinse selbst trübt sich nicht ein. Nachstar und Grauer Star sind zwei verschiedene Augenerkrankungen.

Einen festen Zeitplan gibt es nicht. Ein Nachstar kann nach wenigen Monaten auftreten – oder erst nach fünf oder mehr Jahren. Wer nach einer Katarakt-Operation schleichend schlechter sieht, sollte zeitnah zum Augenarzt gehen. Die häufigste Ursache: Nachstar.

Die YAG-Kapsulotomie ist vollständig schmerzfrei. Augentropfen betäuben und erweitern die Pupille. Ein Kontaktglas wird aufgesetzt. Der YAG-Laser erzeugt dann ein kleines Loch in die getrübte Kapsel. Der gesamte Lasereingriff dauert fünf bis zehn Minuten. Die Sehverbesserung tritt meist noch am selben Tag ein.

Für gesetzlich Versicherte ist die Behandlung kostenlos – sie ist Kassenleistung. Privat Versicherte erhalten die Erstattung nach GOÄ. Es entstehen keine Zuzahlungen.

Nein. Sobald die hintere Linsenkapsel geöffnet wurde, trübt sie sich nicht mehr ein. Die Behandlung des Nachstars per YAG-Laser ist dauerhaft. Eine Wiederholung ist in der Regel nicht nötig.

Der Eingriff ist sehr sicher. In seltenen Fällen kann der Augeninnendruck kurzfristig ansteigen – relevant bei Patienten mit Grünem Star. Sehr selten sind Netzhautablösung oder Makulaödem. Ihr Augenarzt prüft im Vorfeld, ob die Behandlung für Ihre Augen geeignet ist.

Die Nachstarabsaugung ist eine intraoperative Technik. Sie wird beim Einsetzen der Kunstlinse durchgeführt. Sie versucht, verbliebene Linsenepithelzellen direkt zu entfernen. Die YAG-Kapsulotomie hingegen wird erst durchgeführt, wenn ein Nachstar bereits entstanden ist. Sie öffnet die getrübte hintere Linsenkapsel per Laser.

  1. Huang et al. (2024). Intraocular lens rotational stability after cataract surgery with and without primary posterior continuous curvilinear capsulorhexis. Journal of Cataract & Refractive Surgery 51(2). DOI: 10.1097/j.jcrs.0000000000001579 ↩︎

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