In den ersten Tagen nach einer Grauer-Star-OP ist es normal, dass das Sehen noch nicht wieder scharf ist. Verschwommenes Sehen, eine schwankende Sehschärfe, eine leichte Rötung, unangenehm helles Licht, Tränen, ein Fremdkörpergefühl und leichte Schmerzen können auftreten. Das Auge braucht Zeit, um zu heilen, und diese Zeit fühlt sich je nach Person unterschiedlich an.
Entscheidend ist die Richtung. Die Beschwerden sollten nach und nach abnehmen, auch wenn es nicht von einem Tag auf den anderen geht. Eine plötzlich schlechtere Sicht oder Beschwerden, die zunehmen, gehören dagegen nicht zum normalen Heilungsverlauf. Genau daran sollen Sie erkennen, wann Sie sich melden.
In diesem Beitrag erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Gonnermann, Augenarzt und Experte für refraktive Chirurgie im AugenCentrum am Rothenbaum in Hamburg, welche Beschwerden nach der Katarakt-OP normal sind, wie der Tropfplan funktioniert und bei welchen Warnzeichen Sie sofort handeln sollten. Die Hinweise ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Praxis, sie helfen Ihnen, die Fragen dort gezielt zu stellen.

Am OP-Tag und in der ersten Nacht
Bei der Operation wird die getrübte natürliche Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt, die sogenannte Intraokularlinse. Der Eingriff ist in der Regel ambulant. Das bedeutet, Sie können nach der Behandlung nach Hause, brauchen dafür aber eine Begleitung oder ein Taxi. Am OP-Tag dürfen Sie selbst nicht Auto fahren, auch wenn Sie sich fit fühlen. Planen Sie den Heimweg deshalb vorher.
Ein Verband oder Schutzschild schützt das operierte Auge vor Berührung und vor Druck. Lassen Sie ihn so lange am Auge, wie Ihre Praxis es Ihnen erklärt hat. Reiben oder drücken Sie das Auge nicht, auch wenn es juckt oder sich ungewohnt anfühlt. Die verordneten Augentropfen beginnen Sie zu dem Zeitpunkt, der in Ihrem persönlichen Tropfplan steht, nicht früher und nicht später.
Die Sicht kann am OP-Tag verschwommen sein. Ein leichtes Druck-, Wund- oder Fremdkörpergefühl ist ebenfalls möglich. Das ist für den Tag nach dem Eingriff nicht ungewöhnlich, sollte aber mit der Zeit nachlassen.
Welche Beschwerden sind in den ersten Tagen normal?
Die folgende Übersicht zeigt, was anfangs vorkommen kann und ab wann Sie handeln sollten. Sie ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, Beschwerden einzuordnen.
| Beschwerde | Was anfangs vorkommen kann | Wann Sie rasch handeln sollten |
|---|---|---|
| Schmerzen oder Fremdkörpergefühl | Leichtes Kratzen oder ein mildes Wundgefühl | Bei starken Schmerzen oder wenn die Beschwerden zunehmen |
| Rötung | Eine leichte Rötung | Wenn sie deutlich zunimmt, besonders mit Schmerzen oder schlechterer Sicht |
| Tränen oder Ausfluss | Das Auge kann tränen | Bei zunehmend klebrigem Ausfluss |
| Lichtempfindlichkeit | Helles Licht kann unangenehm sein | Wenn sie stärker wird oder mit Schmerzen, Rötung oder schlechterer Sicht auftritt |
| Verschwommene oder schwankende Sicht | Unscharfes Sehen kann anfangs vorkommen | Bei plötzlicher Verschlechterung oder wenn die Sicht nach einer Besserung wieder schlechter wird |
| Lichtblitze, viele neue Floater oder Schatten | Keine typischen Beschwerden, die Sie abwarten sollten | Sofort augenärztliche Hilfe holen |
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Beschwerde noch leicht ist oder bereits zunimmt, fragen Sie zeitnah bei Ihrer Praxis nach. Lieber einmal zu viel anrufen als eine Veränderung zu lange beobachten.
Wie sollten sich Beschwerden entwickeln?
Nicht jeder Tag nach der Operation fühlt sich gleich an. Die Sicht kann zunächst unscharf sein oder schwanken, und auch die Brillenstärke kann sich anfangs noch verändern. Das ist Teil des Heilungsprozesses und allein kein Grund zur Sorge. Achten Sie in den ersten Tagen besonders auf drei Dinge:
- Stärke: Ein leichtes Kratzen ist anders zu bewerten als starker Augenschmerz.
- Verlauf: Leichte Beschwerden sollten mit der Zeit abnehmen. Werden sie stärker, lassen Sie das Auge untersuchen.
- Sehveränderung: Eine plötzliche Verschlechterung, neue Lichtblitze oder ein Schatten sind keine Beschwerden, mit denen Sie bis zum nächsten Routinetermin warten sollten.
Die Sehqualität hängt nicht nur vom Heilungsverlauf ab. Auch der Augenbefund und das gewählte Linsenkonzept spielen eine Rolle. Nach einer Monofokallinse kann zum Lesen weiterhin eine Brille nötig sein. Bei Multifokallinsen sind Sehziele und Grenzen anders. Fragen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, welche Veränderungen für Ihren Befund zu erwarten sind, damit Sie wissen, was normal ist.

Augentropfen und Augenschutz
Die Augentropfen sind ein fester Bestandteil der Nachsorge. Verwenden Sie sie genau nach dem persönlichen Plan Ihrer Praxis. Präparat, Häufigkeit und Dauer richten sich nach Ihrer Verordnung und nicht nach Gewohnheit oder Empfehlungen von Bekannten. Setzen Sie die Tropfen nicht eigenmächtig früher ab und verlängern Sie die Anwendung nicht auf eigene Faust. Ist der Plan unklar, haben Sie eine Anwendung vergessen oder tritt eine Reaktion auf, fragen Sie Ihre Praxis oder Apotheke, bevor Sie etwas ändern. Schmerzmittel nehmen Sie nur nach den ärztlichen Hinweisen ein.
Zum Augenschutz gilt Ähnliches. Fragen Sie vor dem Heimweg, wann Sie einen Verband oder Schutz abnehmen dürfen und ob Sie nachts ein Schutzschild tragen sollen. Verwenden Sie den Schutz genau so lange, wie es Ihnen erklärt wurde, und nicht länger oder kürzer.

Warnzeichen: Wann brauchen Sie sofort Hilfe?
Warten Sie bei den folgenden Beschwerden nicht auf den nächsten Kontrolltermin. Rufen Sie die operierende Praxis oder Klinik an. Ist sie nicht erreichbar, wenden Sie sich an den augenärztlichen Notdienst:
- starke oder zunehmende Schmerzen,
- deutlich zunehmende Rötung,
- zunehmend klebriger Ausfluss aus dem Auge,
- plötzlich oder rasch schlechtere Sicht,
- neue Lichtblitze,
- plötzlich viele neue schwarze Punkte oder Schlieren,
- viele neue Floater, also kleine bewegliche Punkte oder Fäden im Gesichtsfeld,
- ein dunkler Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld.
Solche Warnzeichen können auf eine Netzhautablösung oder eine andere Komplikation hindeuten. Eine Diagnose aus der Ferne ist nicht möglich, und niemand kann am Telefon sicher sagen, ob es harmlos ist. Lassen Sie die Beschwerden deshalb sofort augenärztlich prüfen, auch wenn Sie unsicher sind, ob es ernst ist.
Duschen, Schwimmen und körperliche Belastung
Beim Duschen sollten Wasser und Seife zunächst nicht direkt in das operierte Auge gelangen. Halten Sie das Auge möglichst trocken und reiben Sie es nicht, auch nicht beim Abtrocknen des Gesichts.
Mit Schwimmen, Sauna und körperlicher Anstrengung warten Sie, bis Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt es erlaubt. Der passende Zeitpunkt hängt von Ihrem Eingriff und Ihrem Heilungsverlauf ab. Fragen Sie bei der Nachkontrolle gezielt nach, welche Aktivitäten Sie wieder aufnehmen können und womit Sie noch warten sollten.
Wie lange bin ich nach der OP krankgeschrieben?
Eine pauschale Dauer lässt sich nicht angeben. Sie hängt davon ab, wie gut Sie sehen, wie das Auge heilt und welche Anforderungen Ihr Arbeitsplatz stellt. Ein Bürojob stellt andere Anforderungen als eine körperlich anstrengende Tätigkeit.
Besprechen Sie mit der Praxis, ob Sie bei der Arbeit fahren, Maschinen bedienen oder längere Zeit am Bildschirm arbeiten müssen. Sprechen Sie auch an, wenn Ihre Tätigkeit körperlich anstrengend ist oder das Auge gefährden könnte. Wenn Sie wissen, welche Aufgaben im Alltag anfallen, kann die Praxis viel genauer einschätzen, wann Sie zurückkehren können.
Nachkontrollen gehören zum Heilungsplan
Ihre Praxis legt fest, wann die Kontrollen stattfinden. Bei jedem Termin wird geprüft, wie sich das Auge entwickelt und ob die Behandlung angepasst werden muss. Die Nachkontrolle ist deshalb kein Formalismus, sondern ein Teil des Eingriffs.
Nutzen Sie die Termine für offene Fragen. Bleibt der Tropfplan gleich? Wie lange brauchen Sie Verband oder Schutzschild? Wann dürfen Sie wieder Auto fahren, arbeiten oder Sport treiben? Notieren Sie sich die Fragen vorher, dann vergessen Sie im Gespräch nichts.
Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Gonnermann und Priv.-Doz. Dr. med. Tim Schultz begleiten diese Kontrollen im AugenCentrum am Rothenbaum.

Wenn die Sicht Monate oder Jahre später schlechter wird
Eine langsam zunehmende Sehverschlechterung Monate oder Jahre nach der Operation ist etwas anderes als eine plötzliche Verschlechterung kurz nach dem Eingriff. Die Ursachen sind verschieden, und die Einordnung braucht eine augenärztliche Untersuchung.
Eine mögliche Ursache ist ein Nachstar: Die hintere Linsenkapsel trübt sich ein. Das ist kein erneut auftretender Grauer Star, und es lässt sich in der Regel gut behandeln. Eine augenärztliche Untersuchung klärt, ob ein Nachstar oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Häufige Fragen zur Heilung nach der Grauer-Star-OP
Das hängt von den Präparaten und Ihrem persönlichen Tropfplan ab. Wenden Sie sie so lange und so oft an, wie es Ihnen verordnet wurde. Ändern Sie den Plan nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Praxis, auch dann nicht, wenn Sie sich gut fühlen.
Bei starken oder zunehmenden Schmerzen, deutlich zunehmender Rötung, klebrigem Ausfluss, plötzlicher Sehverschlechterung, neuen Lichtblitzen, vielen neuen schwarzen Punkten oder einem Schatten im Gesichtsfeld. Warten Sie in diesen Fällen nicht bis zum nächsten Routinetermin.
Das hängt von Ihrem Heilungsverlauf und Ihrer Arbeit ab. Besprechen Sie mit Ihrer Praxis, wann Sie Ihre beruflichen Aufgaben wieder aufnehmen können, und welche Tätigkeiten dafür zunächst ruhen sollten.
Die Sicht kann anfangs verschwommen sein oder schwanken. Entscheidend ist der Verlauf. Wird sie plötzlich schlechter oder nach einer Besserung wieder schlechter, wenden Sie sich an die operierende Praxis, ohne abzuwarten.



